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Rückblick auf das Jahr 2008
Wie hart und schwer, wie freudvoll und leidvoll soziale Arbeit und besonders Entwicklungshilfearbeit sein kann, hat der Verein WIR FÜR RUANDA wieder im Jahr 2008 erfahren.
Die Weihnachtsspendenaktion des Jahres 2007 hatte 22.000 Euro für das Projekt „Schulbau in Kinshasa von Pater Dominiek“ erbracht. Dort, in einem der Slumvororte von Kinshasa unterhalten die Salesianer - Don Bosco eine Schule, die wegen des riesigen Bedarfs an Schulplätzen gleichsam aus den Nähten platzte. Dank des Geldes von WIR FÜR RUANDA konnte die Schule nun um drei Klassenräume erweitert werden, was mehr als 120 Schülern eine weitere Ausbildung ermöglicht.
Bei dieser Schule handelt es sich - wie bei den Salesianern üblich - um eine polytechnische Schule. Sie wird auch ein voll funktionstüchtige Offset-Druck-Maschine erhalten, die der Kreis Heinsberg wegen Umstrukturierung freigesetzt hat und die im Alten Wasserwerk, dem Vereinsdomizil von WIR FÜR RUANDA, noch auf die Verschickung nach Afrika wartet, denn einen ganzen Container sinnvoll für eine so lange Reise zusammenzustellen, benötigt große logistische Arbeit.
Inzwischen hat der Verein von Pater Dominik eine genaue Abrechnung über den Schulbau erhalten zusammen mit einem großen Danke Schön der Schulleitung – ein Beispiel für eine gelungene Aktion.
In Ruanda selbst ging während des ganzen Jahres der Aufbau des Zentrums für Kinder mit geistiger Behinderung in Kibirizi weiter. Nachdem die Küche und die Waschküche schon im Jahre 2007 im Rohbau fertig gestellt waren, wurden diese in 2008 mit Dächern versehen und elektrifiziert. Danach erfolgte der Aufbau des Personalgebäudes für 14 Personen und der Bau eines großen Dreikammersystems für die Abwässer.
Im September 2008 konnte WIR FÜR RUANDA in Kibirizi zusammen mit vielen ruandischen und deutschen Würdenträgern im Rahmen eines großen Völker verbindenden Festes die Grundsteinlegung der Kapelle des Zentrums feiern. Selbst Prof. Dr. Bernhard Vogel, der ehemalige Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und Thüringen, war mit einer großen Delegation der Konrad-Adenauer Stiftung nach Kibirizi gekommen. Er und seine Begleiter waren von der Arbeit des Heinsberger Vereins begeistert.
Der Bau einer Kapelle ist für so ein Zentrum ein „unbedingtes Muß“.. Afrikaner sind sehr gläubige Menschen, die einen Ort des Rückzugs, der Meditation mit Gesang und Tanz brauchen. Die Kapelle kann von WIR FÜR RUANDA Dank gezielter Spenden namhafter Firmen gebaut werden. Dr. Bernd Bierbaum, der Vorsitzende des Vereins, konnte für die Gestaltung der Kapelle Sr. Johanna Senn gewinnen, eine befreundete Künstlerin, die viele Jahre in Afrika lebte und dort mit schwarzen Künstlern eine Reihe von Kirchen und Kapellen bereits gebaut hat. Unter ihrer Leitung wird diese Kapelle ein Kleinod sakraler Kunst in Ruanda werden, vor allem wird sie sowohl den Kranken, wie auch den Gesunden Geborgenheit, Heimat und Trost geben. Inzwischen stehen schon die Grundmauern, ein Oktagon, das einer afrikanischen Rundhütte nach empfunden ist, bzw. mit der Innenausstattung an die Bauweise der ruandischen Königshütte in Nyanza erinnern wird.
Aber Helfen ist nicht immer einfach und vor allem nicht immer so ganz gefahrlos in der Region, in der WIR FÜR RUANDA seine Hilfe leisten will. Zusammen mit Horst Peske, dem Bauleiter des Zentrums in Kibirizi, wollte Herr Dr. Bierbaum wie jedes Jahr das Krankenhaus in Mweso/Nordkivu/Ostkongo besuchen, das WIR FÜR RUANDA 2001 komplett saniert hatte. Trotz Einhaltung aller in dieser Gegend erforderlichen Vorsichtsmaßnahmen, die zuvor durch Gespräche mit dem deutschen Botschafter in Kigali, mit der Caritas in Goma, dem evangelischen Bischof und einem Offizier der UNO-Truppen in Erfahrung gebracht wurden, landeten letztlich beide Reisenden in der Gefangenschaft nicht identifizierbarer Soldaten.
Offenbar wusste keiner der befragten Informanten über die Situation im Hinterland von Goma Bescheid.
Dank eines Handy-Gesprächs mit Deutschland und dank der guten Verbindung zur deutschen Botschaft in Kigali wurden die beiden Inhaftierten dann nach 55 Stunden entlassen und an die Grenze gebracht.
Erfreulicher weise war die Behandlung während der Haft akzeptabel. Bei der Freilassung wurde sogar darauf hingewiesen, dass eine Rückkehr jederzeit möglich sei, denn der Verdacht der Spionage und des Waffenhandels sei nicht mehr gegeben. Fazit: Zu einem Engagement für die Not der Leute und ihre Menschenrechte gehört in manchen Gegenden auch eine gehörige Portion Mut.
Dass – wie das obige Beispiel zeigt – humanitär tätige Vereine es nicht immer leicht haben, ist auch der Politik wohl bekannt. Möglicherweise hat auch deshalb der Bundespräsident am 11.9.2008 die 14-jährige Arbeit des Vereins WIR FÜR RUANDA dadurch besonders gewürdigt, dass er dem Vorsitzenden des Vereins, Dr. Bernd Bierbaum, das Bundesverdienstkreuz am Bande verlieh. Die Überreichung erfolgte durch den Ministerpräsidenten von NRW, Herrn Dr. Jürgen Rüttgers, in Düsseldorf. Herr Dr. Rüttgers war auf Grund der Informationen, die ihm über den Verein vorlagen so sehr von dessen Arbeit überzeugt, dass er auf Wunsch bereitwillig die Schirmherrschaft für das Ruanda-Sommerfest im August 2009 übernommen hat.
In seiner Dankesrede betonte Dr. Bierbaum neben dem Dank an alle Freunde, Helfer und Spender die Bedeutung, die das Vereinszentrum „Altes Wasserwerk“ für die erfolgreiche Arbeit des Verein hat. Dieses so wichtige Gebäude wird von der Firma NUON kostenlos zur Verfügung gestellt. „Ohne diese Räume und diesen Platz wären wir wie ein Vogel ohne Flügel.“ war Dr. Bierbaums wörtliche Aussage. Denn von diesem Zentrum aus sind inzwischen mehr als 1200 Tonnen Hilfsgüter in 74 Containern und 16 Kraftfahrzeuge nach Afrika verschickt worden.
Die Betonung der großen Bedeutung des „Wasserwerks“ für den Verein erfolgte auch unter dem Eindruck, dass zu diesem Zeitpunkt der Gestattungsvertrag zur Nutzung des Gebäudes seitens des Eigentümers gekündigt war, was zu existentiellen Sorgen innerhalb des Vereins führte.
Erfreulicherweise haben vielfältige Bemühungen inzwischen dazu geführt, dass NUON einen neuen Vertrag angeboten hat und damit einen Fortgang der Arbeiten des Vereins ermöglicht.
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